Ehrengäste, die keiner kennt und ein Gast, der sich geehrt fühlt
Baseball ist ein Familienevent. Eltern und Großeltern kommen meist mit Kind und Kegel in die Stadien, um sich für mindestens drei Stunden spannenden Sport anzusehen, zu essen und zu trinken, Spaß zu haben. Doch nicht jedes Kind hat das Glück in einer Familie aufzuwachsen. Schon länger hatten deshalb die Buchbinder Legionäre die Idee, Kinder, die in Heimen leben, zu einem Baseballspiel einzuladen. „Die Weltmeisterschaft war eine einmalige Gelegenheit“, erklärt Vorstand Christian Siegert-Bomhard. Das WM-Organisationsteam nahm Kontakt zur Katholischen Jugendfürsorge auf. „Wir haben ihnen 1000 Karten angeboten, erst wollten sie nur 100.“ Die Resonanz war riesig, und so kamen am Donnerstag mehr als 300 Kinder mit ihren Betreuern aus der ganzen Oberpfalz ins Stadion, um das Weltmeisterschaftsspiel USA - Venezuela live zu verfolgen. Und diese - im besten Sinne des Wortes - Ehrengäste der WM-Organisatoren erlebten einen tollen Abend.
Jaqueline, 15 Jahre alt aus dem Kinderheim St. Vincent in Regensburg: „Ach, dachte ich, da geh ich doch einfach mal mit und schau mir das an. Die Regeln hab ich vorher nicht gekannt, aber jetzt, diesen Homerun, das weiß ich, da darf der Schlagmann gleich einmal komplett rumlaufen und muss sich auch nicht mehr beeilen.“ Ein bißchen weit weg sitze sie, wäre gerne näher dran, aber vielleicht kommt sie ja mal zu einem Legionäre-Spiel.
Den zweiten Homerun wird Andy, 16, aus dem Heim St. Josef in Marktredwitz wohl auch sein Leben lang nicht mehr vergessen. Aus den Augenwinkeln sah er den Ball fliegen, dann schlug das Ding zwei Sitze hinter ihm ein. „Boah, frag nicht, wie mein Herz jetzt klopft! Noch nie hab ich Baseball live gesehen. Da sitz ich hier im Stadion und krieg den Ball!“ Seine Kumpels guckten ein wenig neidisch, als Andy in Aussicht gestellt wird, dass der Ball von dem Spieler signiert werden würde, der ihn auf die Tribüne donnerte.
Aber Philip, Razvan und die anderen Jungs sind einige Minuten später kurz sprachlos, als National-spieler Philipp Howard vom Pressestab auf die Tribüne gebeten wird und beginnt, T-Shirts, Caps und sogar ein Stofftaschentuch signiert. „Ein echter Nationalspieler,“ raunt es durch die Gruppe. Die Krönung des Abends sollte aber erst noch folgen...
Greg Frady, Headcoach der Deutschen Nationalmannschaft, der sich als Gast mit seiner Familie unter die Zuschauer gemischt hatte, hört von den dreihundert anwesenden „Kinder-Ehrengästen“, nimmt Frau und Kinder an die Hand und macht sich auf den Weg, um die Jungs kennen zu lernen. Als die Pressebetreuung den Jugendlichen den Coach vorstellt, ist alle Coolness verflogen. Fast ehrfürchtig stehen sie vor ihm, bis Frady ihnen locker die Hand schüttelt, sie nach ihren Namen fragt und ihnen sagt, dass er sich geehrte fühle, sie kennen lernen zu dürfen. Die anfängliche Berührungsangst weicht einem Glitzern in den Augen und nach einem gemeinsamen Foto mit dem Headcoach gibt dieser den Jungs zum Abschied mit auf den Weg: „Whatever you do in your life, think about it an be strong.“