Stolperstein Deutschland?
Es ist das sechste Mal in der Ära Frady, dass der „schlafende Riese“ Deutschland auf eine der größten Baseballnationen überhaupt trifft. Egal wie viel Potenzial Deutschland als Baseballnation auch besitzt, die Amerikaner gehen als Favorit in die heutige Partie. Die bisherigen Ergebnisse zwischen beiden Nationen untermauern diese Einschätzung: Die Bilanz spricht mit 5-1 Siegen eine deutliche Sprache zu Gunsten der US-Boys. Die letzten zwei Duelle zwischen beiden Nationen liegen nur wenige Wochen zurück. Bei der „World Baseball Challenge“ im Juli war es, als das Frady-Team auch den ersten Sieg bejubeln konnte. Mit 6:3 behielt Deutschland in der Vorrunde die Oberhand.
Der Beweis, dass Deutschland gegen die USA gewinnen kann, ist damit bereits erbracht. Dass diesmal Minor League Profis anstatt College-Boys antreten, rückt die Favoritenrolle nochmals ein wenig zurück auf die Seite des US-Teams, chancenlos dürften die Deutschen aber keinesfalls sein. Dass der erste Sieg des Turniers bereits unter Dach und Fach ist wirkt sich ebenso positiv auf das Selbstbewusstsein des Teams aus wie die Art und Weise, mit der am Mittwoch der Sieg gegen China erkämpft wurde.
Dass die Deutschen das Duell aus ihrer Außenseiterrolle ganz entspannt angehen, diese Vermutung legte auch der gestrige Trainingsauftritt nahe. Gut gelaunt und in kurzer Trainingsmontur absolvierte das Team lediglich eine kurze BP-Einheit im Stadion.
Um das Weiterkommen endgültig zu sichern, muss die deutsche Mannschaft nun versuchen ohne viele Gegenpunkte durch die letzten beiden Partien zu kommen. „Wir geben alles, mal sehen was am Ende dabei heraus springt“, formulierte Rightfielder Rodney Gessmann die Marschroute für das Spiel.
Beim Baseball hängt der Ausgang der Partie üblicherweise sehr stark von der Picherleistung ab. Im Auftaktmatch gegen die Asiaten wussten Deutschlands Pitcher zu überzeugen, am Ende stand ein beeindruckender Sieg. Erwischt Tim Henkenjohann einen Sahnetag - aller Voraussicht nach bietet der Bundestrainer den Bonner als Werfer für die Partie auf – könnte etwas drin sein für die Deutschen.
Mit Henkenjohann schenkt der Bundestrainer genau dem Pitcher das Vertrauen, der sich als Werfer für den bislang einzigen Sieg gegen die USA verantwortlich zeigte. „Wenn Tim gut drauf ist, kann er jedes Team dominieren“, Auf solch einen Sahnetag des Bonner Rechtshänders hofft der Coach auch für die heutige Partie.
Neben Henkenjohann hofft man im deutschen Lager in großem Maße auf die Unterstützung der Fans. Mit der Rekordkulisse von ca. 10.000 Zuschauern im Rücken wird das Spiel auch dann als absolutes Highlight in Erinnerung bleiben, wenn es mit der Überraschung nicht klappt.
Es wird aber nicht einfach. Gerade weil Team USA am Donnerstag bei der überraschenden Niederlage gegen Venezuela nicht den erhofften Start in das Turnier hatte und nun auf Wiedergutmachung aus ist. Eine 7:2-Führung nach sechs Innings konnten sie nicht ins Ziel retten und verloren nach Dirimo Chavez‘ Grand Slam im elften Inning mit 9:13. Nach sechs guten Innings für Starting Pitcher Brad Lincoln zeigten die eigentlich erfahrenen Reliever Schwächen. Offensiv lieferte Justin Smoak mit vier Hits, darunter zwei Homeruns und fünf RBI die erwartet starke Leistung ab. Neunmillionendollarmann Pedro Alvarez hingegen kam im ersten Spiel seines Teams noch nicht richtig in Fahrt.
Auf dem Mound wird Rechtshänder Todd Redmond von den Atlanta Braves erwartet. Der 24-Jährige arbeitet seit 2004 am Traum in die MLB aufzusteigen und spielt nun in der Liga direkt darunter. In der Vorbereitung gegen Kanada in North Carolina pitchte er gegen den WM-Teilnehmer aus Gruppe C fünf perfekte Innings und bewies nach einer eher durchschnittlichen Saison in der International League aufsteigende Form. Nun steht er mit seinem Team im Duell mit dem Gastgeber nach der Auftaktniederlage unter Druck.
Auch wenn die Stimmung sicherlich etwas geknickt ist, schaut Team USA doch mit großer Erwartung auf den Vergleich mit dem Gastgeber, der zudem mit dem 11. September auch an einem geschichtsträchtigen Datum stattfindet. Nachdem einige Spieler und Coaches das Eröffnungsspiel zwischen Deutschland und China verfolgten, freuten sie sich auf die Begegnung.