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Wissen ist nicht immer Macht

Wissen ist nicht immer Macht

„Wir wissen nichts über China, außer, dass sie hier vor Ort sind“, entgegnete Bundestrainer Greg Frady auf die Frage nach dem Informationsstand über das chinesische Team. Diese mäßigen Kenntnisse über den Auftaktgegner wollte der Coaching Staff der Deutschen kurz vor WM-Beginn dann doch noch bestmöglich ausbauen. Deshalb beobachteten die Assistenztrainer Troy Williams, Jesco Veisz und Omar Johnson das gestrige Training der Asiaten in der Armin-Wolf-Arena.

Aus diesen Eindrücken hat sich Coach Frady sicherlich ein erstes Bild des heutigen Gegners gemacht, und seine Mannschaft mental auf die entsprechenden Stärken und Schwächen des Gegners vorbereitet. Wichtiger noch als alle Informationen über die Chinesen ist dem Trainer ohnehin die Konzentration auf die Leistung der eigenen Truppe. Dass Team Germany mit den Weltklasse-Teams wie Taiwan und Kanada mithalten kann, hat das Frady-Team bereits beim Olympic Qualifier 2008 unter Beweis gestellt.

Beim Qualifier in Taiwan vor über 20.000 Zuschauern spielen zu dürfen war für Spieler und Trainer eine besondere Erfahrung. Heute werden in der Armin-Wolf-Arena zwar nicht ganz so viele Leute erwartet, dennoch wird es für alle Beteiligten ein Tag von noch größerer Bedeutung. Nicht nur weil noch kein deutsches Team bisher in Europa vor solch einer Kulisse hat antreten dürfen, sondern weil Partie und WM-Vorrunde im eigenen Land stattfinden. Einzig bei einer olympischen Eröffnungsfeier mit allen deutschen Athleten ins Stadion einzulaufen, bleibt ab morgen Abend für deutsche Baseballer ein unerfüllter Traum.

In der gestrigen Pressekonferenz gab der Headcoach bereits zwei Personalien für das Spiel gegen die Chinesen bekannt. Nach Fradys Ansage wird der Solinger Enorbel Marquez als Starting Pitcher aufgeboten, während Team-Leader Simon Gühring im Leftfield die erste Wahl darstellt. Abseits der bereits entschiedenen Personalfragen könnte die Deutsche Defense folgendermaßen aufgestellt sein: Als Catcher ist Kai Gronauer gesetzt. Der US-Profi, der diese Saison von den New York Mets bei den Savannah Sand Gnats eingesetzt wurde, reist erst zum Eröffnungsspiel an. An der ersten Base kann sich der Coach zwischen Ludwig Glaser (Regensburg) und Mitch Franke (Paderborn) entscheiden. Derjenige der beiden, der nicht am ersten Base zum Einsatz kommt, wird voraussichtlich als Designated Hitter fungieren. Obwohl sich auch Regensburgs Christopher Howard mit guten Leistungen gegen die Briten aufgedrängt hat. Das zweite Base hütet aller Voraussicht nach Jendrick Speer. Sollte Frady auf eine eingespielte „Double-Play-Combo“ vertrauen wollen, hieße der Shortstop Octavio Medina. Der Paderborner Vereinskollege Speers könnte aufgrund seiner langjährigen Erfahrung den Vorzug vor Andreas Janzen (Heidenheim) erhalten. Am dritten Base erscheint Solingens Dominik Wulf als die logische Wahl. Neben Gühring im Leftfield ist Sascha Lutz (Mannheim) als Centerfielder zu erwarten. Im Rightfield hat der Trainer die Wahl zwischen Robert Gruber (Heidenheim) und Marvin Appiah (Mannheim).

Eine Prognose über die Starting Lineup der Chinesen aufzustellen ist eine weitaus schwierigere Aufgabe. Denn das Team von Nationaltrainer Yuejun Li ist bei diesem Turnier die große Unbekannte. Die chinesische Nationalmannschaft tritt ganz ohne ihre Profis aus der japanischen und taiwanesischen Liga an und auch vom Team der diesjährigen Asienmeisterschaften ist kein Akteur im Kader. Das Ensemble aus dem fernen Osten wagt bei dieser Weltmeisterschaftsvorrunde den absoluten Neuanfang und wird es schwer haben den elften Platz der WM 2005 zu wiederholen.

Bleibt die Frage, ob es für Deutschland von Vorteil ist gleich im Auftaktspiel gegen einen so schwer einzuschätzenden Gegner in das Turnier zu starten. Zusätzliche Brisanz gewinnt die Partie aus der Tatsache, dass die beiden Teams höchstwahrscheinlich um den dritten Platz in der Gruppe hinter den USA und Venezuela kämpfen werden. Ein Grund warum Coach Frady seinen nominell besten Starting Pitcher auf den Mound stellt und sein Gegenüber Li dürfte zu einer ähnlichen Erkenntnis gelangt sein. So erscheint die Auftaktpartie für die Deutsche Mannschaft bereits wie ein kleines Finale. Und bei einem Sieg gegen die Chinesen müssen die Deutschen dann auch nicht mehr wissen, als dass der Gegner vor Ort ist.